Am 25. Oktober leitete der russische Präsident Wladimir Putin von seinem Bunker aus ein massives Atomkriegsmanöver.

Das Massaker

Die israelische Luftwaffe bombardiert weiterhin Gaza-Stadt als Vergeltung für den Angriff des Vereinigten Palästinensischen Widerstands (mit Ausnahme der Fatah) vom 7. Oktober. Bomben fallen auf die ganze Stadt und töten die Einwohner zu Tausenden. Laut einer im Juni 2022 vom Palestinian Center for Policy and Survey Research durchgeführten Umfrage [1], würden nur 34 % der Palästinenser für die Hamas stimmen, verglichen mit 31 % für die Fatah, wenn Parlamentswahlen abgehalten würden. Zwei Drittel der Opfer der israelischen Bombardierung sind daher der Hamas feindlich gesinnt. Gleichzeitig unterstützen 71 Prozent von ihnen den bewaffneten Kampf gegen die israelische Besatzung. Unter diesem Gesichtspunkt bevorzugen 56% Ismail Haniyeh (Hamas) gegenüber Mahmoud Abbas (Fatah).

Israel kann daher nicht behaupten, die Hamas auf diese Weise auszurotten, sondern nur die Bevölkerung von Gaza zu eliminieren, die sich Israel widersetzt.

Die Vertreibung der Bewohner des Gazastreifens

Drei Viertel der israelischen Armee sind immer noch vor der Trennmauer stationiert und warten auf den Befehl, sie zu überqueren, um den Überlebenden der Bombenangriffe den Garaus zu machen. Offiziell hoffen die USA, einen Völkermord zu vermeiden, indem sie Israel zur Mäßigung anhalten. In Wirklichkeit weiß Washington, dass diese Operation ursprünglich nicht gegen die Hamas gerichtet war, sondern darauf abzielte, die Palästinenserfrage durch die Vertreibung ihrer gesamten Bevölkerung zu lösen. Infolgedessen hat das US-Außenministerium Ägypten vorgeschlagen, alle seine Auslandsschulden (135 Milliarden Dollar) zu streichen, wenn es die 2,2 Millionen Einwohner des Gazastreifens aufnimmt und einbürgert.

Marschall Al-Sisi weigert sich vorerst. Kairo hält sich an die Resolution der Arabischen Liga, die nach dem Sechstagekrieg behauptete, dass die Vertreibung und Einbürgerung der Palästinenser nichts anderes als ein falsches, mitfühlendes Manöver sei, um die palästinensische Sache zu liquidieren.

Lesen : „Memo des israelischen Geheimdienstministeriums, das die Abschiebung von Bewohnern des Gazastreifens nach Ägypten empfiehlt“, Übersetzung Horst Frohlich , Voltaire Netzwerk, 31. Oktober 2023.

Während seiner Anhörung vor der Knesset gab General Yitzhak Brik eine katastrophale Einschätzung der Fähigkeiten der israelischen Armee ab.

Die Schwäche der israelischen Armee

Seit Beginn dieses Krieges, oder eher dieser Episode eines langen Krieges, erkennen die Israelis die gegenwärtige Schwäche ihrer Armeen. Seit 2015 spricht die Fachpresse über die Dekadenz der Tsahal, aber erst 2018 wurde die politische Klasse sich ihrer bewusst. Damals machte die Knesset (Parlament) eine Anhörung von General Yitzhak Brik. Er erzählte den verblüfften Abgeordneten, dass die Soldaten die Idee verloren hätten, das Land zu verteidigen, dass Offiziere nicht zögerten, zu lügen, um sich im Falle von Schwierigkeiten zu schützen, und dass Generäle politische, aber keine militärischen Karrieren machten. Fünf Jahre später hat sich nicht nur nichts geändert, sondern alles ist schlimmer geworden.
Die israelische Presse greift die Äußerungen von General Yitzhak Brik auf, laut denen die Israelis gezwungen seien, sich in einem zukünftigen Krieg selbst zu verteidigen, ohne auf die Hilfe ihrer Armeen hoffen zu können.
Genau das ist am 7. Oktober geschehen.
Der Premierminister beriet sich am 22. Oktober mit diesem General, aber es gibt keine Erklärung oder Kommuniqué darüber, was die beiden Männer einander gesagt haben. Bestenfalls weiss man, dass General Brik die Entlassung des Direktors des militärischen Nachrichtendienstes (Aman) und des Chefs des Südkommandos gefordert habe.

Und das ist noch nicht alles. Zum ersten Mal verfügen die Gegner der Kolonisation über mächtige Waffen. Die Untersuchung der Videos der Hamas ist unwiderruflich. Die Organisation verfügt über Panzerabwehrraketen FGM-148 Javelin (aus US-Produktion) und NLAW (aus schwedischer Produktion) sowie über AT4-Raketenwerfer aus schwedischer oder US-amerikanischer Produktion. Was die libanesische Hisbollah betrifft, so verfügt sie über einen beeindruckenden Bestand an Mittelstreckenraketen, der sie zusammen mit der Ausbildung ihrer Männer zu einer mächtigen, den arabischen Staaten weit überlegenen Militärmacht macht.

Die Waffen der Hamas sind amerikanisch oder schwedisch. Sie wurden in der Ukraine bei korrupten Offizieren gekauft. Die der Hisbollah kommen aus dem Iran, über den Irak und Syrien. Niemand weiß, wie viele Hamas davon hat.

Hisbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah empfing die Nummer zwei der Hamas, Saleh el-Arouri, und den Führer des Islamischen Dschihad, Ziad el-Nakhala.

Der Konflikt beschränkt sich vorerst auf den Gazastreifen. Die Palästinenser im Westjordanland und in Israel haben sich nicht erhoben. Die Flüchtlinge in Jordanien und im Libanon auch nicht. Die Hisbollah wird durch die Resolution 1701 gestoppt, die ihre Minister am Ende des israelisch-libanesischen Krieges 2006 unterzeichnet haben [2]. Sie kann den Litani-Fluss nicht überqueren und israelisches Territorium betreten, ohne ihr Wort zu brechen, was ihr im Gegensatz zum Westen, wichtig ist. Diese Verpflichtung wird nicht mehr gelten, wenn Israel den Libanon angreift. Im Moment hält sich die Hisbollah also bereit und zerstört entlang der Grenze eine israelische Überwachungskamera und ein Radargerät nach dem anderen. Auf diese Weise wird sie in der Lage sein, die israelische Armee zu überraschen, wenn die Hisbollah sich entschließt, in den Krieg einzutreten.

Der Westen hat sich entschieden, die Bewohner des Gazastreifens zu opfern

Wie könnte man nicht erstaunt sein, dass die Vereinigten Staaten, Frankreich und das Vereinigte Königreich ihr Veto gegen einen Vorschlag für einen sofortigen humanitären Waffenstillstand eingelegt haben? Wie könnte man das nicht als Wunsch interpretieren, diesen schon vor 76 Jahren begonnen Konflikt zu verlängern? So gesehen, funktioniert die Analyse von Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Vor seiner Parlaments-Fraktion sagte er: "Diejenigen, die das Problem verursachen, wollen natürlich keine Lösung", und spielte damit darauf an, wie das Französische Imperium und das Britische Empire die Palästinenserfrage ohne Lösung geschaffen haben. "Je mehr sich die Krise verschlimmert, je mehr sie Wurzeln schlägt, desto besser ist es für ihre Interessen (...) Sie wollen, dass die israelisch-palästinensische Frage eskaliert... Sie wollen, dass Frieden und Stabilität niemals in diese Region kommen... Sie wollen, dass der Schatten des Krieges das östliche Mittelmeer nie verlässt... Sie wollen, dass die Menschen, die dort seit Tausenden Jahren leben, nicht von den Ressourcen dieses Landes profitieren... Sie wollen, dass ihr Ausbeutungssystem, das auf Blut, Verfolgung und Tränen basiert, weitergeht... Das ist es, wogegen wir sind. Wir lehnen uns gegen dieses System der Ausbeutung auf, für das alle Völker der Region, Muslime, Christen und Juden, den Preis zahlen."

Die französische Premierministerin hat am 23. Oktober eine ausgewogene Position zum israelisch-palästinensischen Konflikt verteidigt. Sie versuchte jedoch, das französische Veto gegen den Vorschlag eines sofortigen humanitären Waffenstillstands zu verschleiern. Damit zeigte sie, dass sie keine freie Hand hat. Was dann geschehen wird, entzieht sich der Kontrolle ihrer Regierung.

Es ist beschämend, dass die französische Premierministerin Elisabeth Borne in einer Rede vor der Nationalversammlung die russische Propaganda beschuldigte, Frankreich fälschlicherweise dafür verantwortlich zu machen, sein Veto gegen einen [russischen] Vorschlag für einen sofortigen humanitären Waffenstillstand eingelegt zu haben. Indem sie sich auf den brasilianischen Vorschlag berief, für den sie (jedoch) gestimmt hat. Es gab nämlich zwei verschiedene Vorschläge: den russischen, der sich auf die strikte Neutralität beschränkt, die durch humanitäre Maßnahmen auferlegt wird, und den brasilianischen Vorschlag, der am 25. Oktober in einer öffentlichen Sitzung vorgelegt wurde, der die Hamas für ihre barbarischen Akte verurteilt.

Frankreich hatte seit 1976 (um seine Kolonisierung von Mayotte fortzusetzen) kein Veto mehr eingelegt, aber diesmal hat Frankreich es eingelegt, wie es sein ständiger Vertreter im Sicherheitsrat, Nicolas de Rivière, anerkannt hat. Die brasilianische Resolution war aber nicht durchsetzbar, weil sie eine der Parteien verurteilte. Frankreich wusste das, als es dafür stimmte.

Das Ende des Abendlandes

Es gibt jedoch noch eine andere Erklärung. Die USA riefen Israel zunächst zur Zurückhaltung auf. Dann schickten sie zwei Marinegruppen in das Gebiet und richteten eine Luftbrücke mit 97 Transportflugzeugen ein, um eine Menge Munition in das Gebiet (nach Israel, aber auch nach Jordanien und Zypern) zu transportieren. Schließlich bombardierten sie pro-iranische Milizen im Irak und in Syrien. Washington hat nach der Niederlage der NATO in der Ukraine dann über die möglichen Folgen einer israelischen Niederlage in Gaza nachgedacht. Der Westen würde nicht mehr gefürchtet werden. Alle Regeln, die außerhalb des Völkerrechts geltend gemacht wurden, würden plötzlich in Frage gestellt werden. Alle Völker, die der Westen seit Jahrhunderten in Abhängigkeit gehalten oder auch nur schamlos ausgebeutet hat, würden sich auflehnen. Es wäre ein kompletter Epochenwechsel.

Der Hass, der sich über Jahrzehnte aufgebaut hat, lässt in dieser Revolte eine unkontrollierbare Grausamkeit erwarten, wie sie die Hamas bereits gezeigt hat. Infolgedessen haben die westlichen Großmächte beschlossen, die Augen vor dem anhaltenden Massaker zu schließen. Sie sind sich bewusst, dass sie einen Völkermord ermöglichen und erleichtern, aber sie haben noch mehr Angst, für ihre vergangenen und gegenwärtigen Verbrechen zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Was sich in Gaza abspielt, ist also nicht mehr die Palästinenserfrage, sondern die Vorherrschaft des Westens, die Herrschaft seiner Regeln und die ungerechtfertigten Vorteile, die der Westen daraus zieht.

Die Spannung ist seit dem Zweiten Weltkrieg noch nie so hoch gewesen. Russland ist sich dessen bewusst und bereitet sich auf einen möglichen Atomkrieg vor. Seit Beginn des Krieges in Gaza hat es zwei groß angelegte Militärübungen abgehalten. Mit Abschüssen von Interkontinentalraketen. Es ist kein Spiel mehr. Russland simulierte den Tod eines Drittels seiner eigenen Bevölkerung und die Verwandlung eines Teils seines Territoriums in eine No-Go-Zone aufgrund des radioaktiven Fallouts.

 
 
Übersetzung
Horst Frohlich
Korrekturlesen : Werner Leuthäusser