als einleitung zum thema die websites der gemeinschaften, die ich schon besucht habe und die quintessenz aus meinen reisen:

 

gemeinschaft
community
netz
werk

 
die matrix der zukünftigen gesellschaft?
(auszug aus dem artikel:
die blinden flecken der psychotherapie,
auf der rubrik eros und sophia)


 

inhalt:
kummune oder hausgemeinschaft?

prioritäten eine spirituelle ausrichtung
manko auffüllen – die suche nach dem verlorenen glück
das hamsterrad – der stress für einen guten zweck
die finanzierung: - die meta-ebene, die projekt-ebene
beziehungen – der ICE des lebens
die spurgruppe das feld, die matrix der zukünftigen gemeinschaft

anhang:
-meinen minimal standart
-sieben linden: tagebuch


gemeinschaftsprojekte

in den letzten jahren habe ich zu diesem thema intensiv geforscht. um das rad nicht neu zu erfinden, habe viele gemeinschaften besucht und habe stärken und schwächen ihres spezifischen feldes beobachten können. hier ein paar meiner schlussvolgerungen:

kommune oder hausgemeinschaft?
das ist vor allem eine frage von nähe und distanz. ich persönlich bevorzuge als wohnform eine hausgemeinschaft wie karthago in zürich, in der singles, paare, familien und wg's unter dem selben dach wohnen. sie haben zusätzlich zu ihren wohnungen einen grossen gemeinschaftsraum mit einer grossküche. sie haben eine köchin angestell, die jeden abend (mo-fr) ein essen kocht. das kostet sfr. 8.-/€ 5.10 pro tag, entlastet die mütter und ergibt einen ungezwungenen treffpunkt für das soziale netz.

in einer kommune teilt man küche und bad. dadurch entsteht viel reibungsfläche. jedeR der schon ein paar jahre in einer wg gewohnt hat, weiss wie viel zeit und energie für die dauerbrenner putzen /schmutzempfinden /ordnung und einkaufen/ kochen/ abwaschen/ spülen draufgehen können.

prioritäten eine spirituelle ausrichtung
ich möchte die prioritäten anders setzen und der menschlichen/spirituellen entwicklung mehr raum geben. das heisst für mich, unser bewusstsein zu erweiter und unsere liebesfähigkeit, unsere herzenswärme zu erhöhen. dazu gehört auch die arbeit an (oder besser – das zelebrieren) unserer beziehungen, insbesondere unserer liebesbeziehungen.

manko auffüllen die suche nach dem verlorenen glück
viele die in sich ein manko spüren, fühlen sich wie magisch angezogen von gemeinschaften. viele kommen mit der erwartung, dass die andern - die gemeinschaft - ihr manko auffüllen werden/wird. das ist natürlich nicht so. werden ihre erwartungen jedoch nicht erfüllt, sind sie frustriert und entwickeln agressionen, die sie dann auf ihre mitbewohner und die gemeinschaft als ganzes projizieren. wenn viele solche menschen eine gemeinschaft bilden, wird diese gemeinschaft zur hölle.

hamsterrad stress für einen guten zweck
viele gemeinschften überfordern sich mit zu teuren liegenschaften, schlechten finanzierungen, zu grossen und zu vielen projekten, die sie in zu kurzer zeit realisieren wollen. oft bleiben dabei die ürsprünglichen ideale auf der strecke und man jagt von termin zu termin. so kreiert man/frau sich ein hamsterrad und hat zu guter letzt genau den gleichen stress wie zuvor in der normalen gesellschaft, mit dem kleinen unerschied, dass der stress jetzt einem guten zweck dient. aber bekanntlich heiligt der zweck die mittel nicht.

die finanzierung
die meta-ebene
für die finanzierung von gemeinschaftsprojekten im allgemeinen und spirituellen zentren im speziellen schwebt mir etwas grösseres vor. in den 70er und 80er jahren kamen in der finanzbranche ökologische und ethisch saubere anlagestrategien auf. in den 90er jahren kam das kriterium „sozial verträglich“ dazu. der nächste schritt wäre eine anlagemöglichkeit zu schaffen, die ganz gezielt projekte unterstützen, die einen beitrag zum neuen paradigma leisten. so etwas wie einen wassermann-fonds! das einfachste wäre ein immobilien-fonds, der nichts anderes machen würde, als immobilien aufzukaufen, die dann für solche projekte zur verfügung stehen würden. wenn in der schweiz die abs und die bcl und in deuschland die gls dafür gewonnen werden könnten (in östereich kenne ich mich zu wenig aus), könnte eine anlagegefäss für die kulturell kreativen (das sind im deutschen sprachraum ca. 1/3 der bevölkerung) geschaffen werden, das attraktiv ist und dadurch reelle chancen hätte.

zur finanzierung von projekten/firmen gibt es auch die möglichkeit der emission von wertpapieren. man/frau kann sich beteiligen und aktien, obligationen oder genossenschaftsanteile kaufen. aber sie werden nicht verzinst. eine möglichst hohe rendite ist nicht das ziel.

parallel dazu gibt es eine eigene währung, nach dem vorbild von damanhur und findhorn (die haben schon eine eigene bank). dadurch öffnen sich wieder ganz neue möglichkeiten. menschen, die lernen wollen sinnvoller mit ihrem geld umzugehen, können in eine etwas andere firma investieren. menschen die weniger geld, aber viel engagement und feuer haben, können ihre zeit und kraft einbringen und teilweise oder ganz mit der komplementär-währung bezahlt werden.

die projekt-ebene
oft scheitern gemeinschaftsprojekte daran, dass die meiste energie für die suche und die finanzierung der idealen liegenschaft verwendet wird. es gibt zwei weitverbreitete fallen, in die projekte (nicht nur in der gemeinschaftsszene) häufig geraten: das geld und die beziehungs-unfähigkeit. projekte, die von menschen lanciert werden, die viele wirtschafts- und finanztechnische qualifikationen haben, unternehmerInnen- und pioniergeist mitbringen, kreieren oft grosse würfe. wenn sie trotzdem scheitern, scheitern sie oft an ihren beziehungskonflikten. da sie der entwicklung einer neuen beziehungskultur ihr ganzes leben viel zu wenig raum und zeit gegeben haben, bringen sie in diesem bereich kaum erfahrung mit. ein beispiel ist das kraftwerk1, ein 50 mio. gemeinschaftsprojekt in zürich mit rund 400 bewohnern (die realisierung von bolo bolo?). schon nach zwei jahren waren sie fieberhaft auf der suche nach mediatoren und mediatorinnen, weil sich der vorstand dermassen zerstritten hatte, dass sie nicht mehr weiter wussten.

das andere extrem sind menschen, die schon viel an sich gearbeitet haben, die langjährige therapie- und workshoperfahrung haben, die sogar mit neuen wohn- und beziehungsformen experimentierten. aber sie haben keine grosse ahnung wie unsere wirtschaft funktioniert, was es bedeutet in übersättigten märkten ein neues geschäft aufzubauen, welches geschäft welchen standort braucht, wie eine intelligente finanzierung aussehen könnte, wie man sich vermarktet usw. in dieser konstellation findet frau sich plötzlich in einer zwickmühle wieder: die ganze energie muss dazu verwendet werden, den budgetierten umsatz hinzukriegen um die fixkosten bezahlen zu können. das schreckgespenst eines konkurses hängt dauernd wie ein damoklesschwert über dem kopf. all die spirituellen ideale, all die hochgesteckten ziele gehen den bach runter.

eine solche story hörte ich von verschiedenen seiten vom neuen kurszentrum am bodensee (mit seeanstoss und einem badestrand). ich weiss von zwei personen, die die gemeinschaft desshalb verlassen haben: es gehe nur noch um's geld. natürlich ist eine solche aussage subjektiv und man müsste auch die andere seite hören. aber die gefahr in diese falle zu geraten ist auf jeden fall real.

beziehungen der ICE des lebens
ich möchten den fokus mehr auf die zwischenmenschlichen beziehungen richten, auf die entwicklung einer guten kommunikationskultur, auf eine kooperative zusammenarbeit, auf die wahrnehmung der gruppendynamik. eine gemeinschaft von männern und frauen, die eine neue beziehungskultur entwickeln – gleichberechtigt, partnerschaftlich, kreativ. eine gemeinschaft von herzensmenschen, die sich gegenseitig begleiten wollen auf ihrem individuellen weg der menschlichen und spirituellen entwicklung. wenn wir unsere prioritäten anders setzen wollen (s.prioritäten), dann braucht die arbeit an (oder eben das genissen von) unserer beziehungen ihren raum. ob mono oder poly, hetero/bi/homo oder lesbisch ist sekundär, da die themen die auftauchen in etwa die selben sind. eine gruppe mit einer gemeinsamen vision, hat die chance, zusammen ein feld zu kreieren, in dem sich die energie nach oben potenziert, statt wie so oft nach unten. und es gibt jeweils mehrere spiegel, die uns helfen können, bei uns – im hier und jetzt zu bleiben. es geht darum, den himmel auf die erde zu holen!

die spurgruppe das feld, die matrix der zukünftigen gemeinschaft
um dieses ziel zu erreichen, ist es entscheidend, dass sich eine spurgruppe bildet, die ein energetisches feld von hoher schwingung erzeugt und auch halten kann. mit unseren gedanken, gefühlen und taten erzeugen wir unser feld, das eine entsprechende wirklichkeit anzieht.

es ist z.b. ein ding der unmöglichkeit, die richtigen leute mit derselben vision suchen zu wollen, ein selektionsverfahren zu entwickeln und aufgrund dessen zu entscheiden, wer in dieses raster passt oder nicht.

es läuft umgekehrt: über das resonanzprinzip ziehen wir die menschen an, die auf das feld ansprechen, das wir erzeugen. normalerweise läuft dieser prozess unbewusst ab. es war dann liebe auf den ersten blick oder eine glückliche oder unglückliche fügung des schicksals und wir freuen uns oder ärgern uns.

diesen prozess gilt es jetzt möglichst bewusst zu gestalten, das heisst für mich: unsere schöpferkraft mobilisieren. mit unserer schöpferkraft können wir unser leben, die welt verändern – berge versetzen! let's do it!

dieser prozess braucht seine zeit. ich denke mindestens ein jahr, besser zwei oder drei jahre sollte man/frau sich zeit nehmen. um sich innen und aussen kennen zu lernen: zusammen meditieren, essen, wandern, ausflüge machen, interessante gemeinschaften besuchen, in die berge fahren, zusammen eine woche in einem workcamp arbeiten, einen workshop besuchen, selber einen workshop organisieren..

sich selber und die andern von ganz verschiedenen seiten kennen lernen. immer tiefer nachspüren, was ich will und was nicht. nachspüren, ob ich mit diesen menschen einen lebensabschnitt gehen will, wie bedingungslos mein ja ist. mein ja, ihr ja, unser ja zum leben.

 

anhang

ich war im sommer 2004 längere zeit im ökodorf sieben linden. beim rainbow – anders besser leben – camp bot ich meinen workshop an: gemeinschaft und beziehungen. die resonanz war gross. es nahmen mehr als die hälfte der besucher dieses camps daran teil. daraus ergab sich eine gruppe, die sich klar zu werden versuchte, wie für sie gemeinschaft aussehen sollte. hier mein beitrag dazu:

 

sieben linden, 24.8.04

liebe gemeinschaftssuchende

beiliegend sende ich euch meinen minimal standart, meine „must's“, das minimum das es aus meiner sicht an übereinstimmung braucht, damit ich bereit bin, mich auf ein gemeinschafts-experiment einzulassen. die „musts“ sind fett gedruckt. neben den „mst's“ gibt es noch viele „nice to have“. schön, wenn noch mehr möglich ist, aber diese punkte sind nicht existentiell. es geht auch ohne sie.

ich lege meinen grundsätzen einen prospekt des club 99 in sieben linden bei. ich stimme zwar nicht mit allen punkten überein, aber den grössten teil könnte ich so unterschreiben. mit den folgenden punken bin ich nicht einverstanden:

ich möchte nicht die ökologie, sondern die spirituelle entwicklung an erste stelle setzen.

den krassesten widerspruch zwischen anspruch und wirklichkeit sehe ich bei der arbeitszeit. sie arbeiten wie alle im ökodorf rund um die uhr, weit mehr als vier stunden, wie das in den grundsätzen des club 99 vorgesehen wäre. es fehlen gutbezahlte arbeiten, durch die man/frau unrentable arbeiten querfinanzieren könnte.

es gibt zu wenig zeit und raum für die spirituelle arbeit an sich selber, an den beziehungen, zum meditieren, zum siesta machen und nichts tun, für musse und freizeit.

für die beziehungsarbeit möchte ich nicht nur das forum benutzen. es gibt noch viele andere, gute werkzeuge. ideal ist, wenn verschiedene werkzeuge zur verfügung stehen und man/frau seiner intuition folgen kann, was in diesem moment das beste ist.

ich möchte mit strom leben. ich lebe schon jetzt mit ökostrom. ideal wäre eigerer solarstrom.

ich lehne maschinen und technik nicht ab. die frage ist für mich mehr: wie gehen wir damit um, was brauchen wir, was ist sinnvoll?

ich möchte mich auch, aber nicht immer, nicht ausschliesslich vegan ernähren. ich liebe schafjoghurt, geisskäse und olivenöl. ab und zu esse ich fisch.

mit freundlichen grüssen
markus rüegg

eros & sophia
vorschläge zur initiierung einer gemeinschaft
die „must's“ sind fett gedruckt,die „nice to have“ normal
(stand 7.9.04)

spiritualität
wir geben unserer spirituellen entwicklung die erste priorität. das muss nicht
eine bestimmte richtung sein. die einheit in der vielfalt sehe ich mehr im gemeinsamen sein - individuell, in den beziehungen, in der grupppe, als gemeinschaft.

ich finde es wichtig, dass man sich auf einen zeitlichen rahmen einigt, nicht

dass wir völlig unterschiedliche vorstellungen bez. der intensität haben. ich

nehme hier einmal den rahmen des club 99 als massstab. die machen

zusammen drei intensiv-wochen pro jahr.

 
 

ich z.b. möchte jeden tag zusammen eine stunde etwas spirituelles machen. meditieren, singen, körperübungen, schwitzhütte, massage, tanzen, beten, traumreisen... was es genau ist, ist mir nicht so wichtig. wichtig ist mir,

dass es etwas gemeinsames ist und etwas spirituelles. die beringhof-gemeineschaft hat das auch versucht. laut gerhard breitenstein ist es daran gescheitert, dass jedeR etwas anderes wollte. es gab vorher kein klares commitment, keine klare absprache.

 

es ist sinnvoll sich helfen zu lassen. wir brauchen alle manchmal hilfe. wir sind bereit, uns auch therapeutische hilfe zu holen und an uns zu arbeiten, damit wir besser voran kommen. das gilt für jeden einzelnen, für das paar, für uns als gruppe.

 
 

wie diese hilfe/dienstleistung aussieht, wen man wählt und wie intensiv man

das macht ist sache der betroffenen. wichtig ist, dass man bereit ist sich hilfe

zu holen und anzunehmen.

fehlt

 

 

beziehungen

unsere beziehungen, speziell die liebesbeziehungen sind so etwas

wie die „ICE des lebens, die encounter-gruppe (intensiv-therapie)“

für unsere spirituelle entwicklung. viele gemeinschaften, projekte, oraganiationen, gruppen scheitern an unserer beziehungsunfähigkeit. deshalb hat die beziehungsarbeit auch eine sehr hohe priorität. ich möchte mich auf eine verbindliche beziehungsarbeit einlassen, mit meineR partnerIn, aber auch mit allen andern, die involviert sind.


auch dazu braucht es zeit und raum. dieser punkt hängt auch eng mit punkt 1+2 zusammen. wenn wir hier weiter kommen wollen, braucht das thema mann/frau viel zeit und raum. nach tausenden von jahren patriarchat stecken wir hier noch in den kinderschuhen. aber wir haben jetzt auch die chance, etwas neues, besseres zu kreieren. im club 99 gibt es dafür jede woche ein forum für das persönliche und jede woche ein plenum für das organisatorische.

 


auch hier finde ich es sinnvoll, wenn wir unsere vorstellungen bezüglich der intensität dieser arbeit austauschen und einen zeitlichen rahmen abstecken. ich würde gerne zu jeder jahreszeit

(alle drei monate) einen workshop machen, für den wir uns jemand

von aussen holen oder zusammen an einem workshop teilnehmen,

den wir vielleicht selber organisieren.

 

 

in meiner jetztigen jahresgruppe „kreative beziehungen“ treffen wir uns jeden monat von freitag 20.00h bis samstag 17.00h, so dass wir den sonntag noch

zur freien verfügung haben. wir übernachten zusammen, um auch unsere träume einzubeziehen. jedeR kann einen solchen fr/sa block übernehmen und gestalten. so lernen wir zu führen und uns führen zu lassen. wir verpflichten uns jeweils für ein jahr und machen zusammen zwei workshop's pro jahr.

 

gemeinsame ökonomie

wir wollen eine gemeinschaft mit gemeinsamer ökonomie, beim einkommen und im laufe der zeit auch beim vermögen. es gibt dutzende von modellen. welches für uns das richtige ist, müssen wir zusammen herausfinden. wichtig ist mir die absicht/bereitschaft für eine gemeinsame ökonomie.

 


geld ist in unserer kultur mit abstand das grösste tabu. eine gemeinsame ökonomie ist auch aus spirituellen gründen zentral, denn der neue gott unserer kultur ist das geld. der tanz um das goldene kalb war noch nie so beliebt wie in der heutigen zeit. gerne würde ich auch eine neue art von geld-workshops anbieten.

 

querfinanzierung mit gemeinsamer kasse

gerade wenn wir so hohe ziele haben wie spirituelle entwicklung und beziehungsarbeit, nachhaltige ökologie und selbstversorgung, ganzheitliche erziehung (spielgruppe, hort, eigene schule) ist das nicht möglich ohne gemeinsame ökonomie. eine gute infrastruktur für kinder und selbstversorgung ist teuer. wenn wir das wollen, braucht es auch andere geldquellen um solche „unrentablen bereiche“ finanzieren zu können. ohne gute verdienstmöglichkeiten mit hoher wertschöpfung besteht die gefahr, dass wir uns ein hamsterrad bauen, in dem wir uns abstrampeln und rund um die uhr arbeiten, ohne auch nur das nötigste zu haben.

 

karl-heinz meyer vom ökodorf-institut kann ein lied davon singen. er baute einen gemüseanbau für den lebensgarten steyerberg (ca. 200 pers.) auf. die gemeinschaft hätte so mit der zeit mindestens teilweise mit eigenem gemüse versorgt werden können. aber die bewohner von steyerber waren nicht bereit, einen höheren preis für ihr eigenes gemüse zu bezahlen. so war karl-heinz den knallharten marktgesetzen des globalen marktes ausgeliefert und musste mit den gemüsebauern in südspanien konkurrieren. diese arbeiten mit billigen arbeitskräften aus marokko, die z.t. in ihren plastiktunneln leben müssen, in denen das gemüse wächst. so kam er auf einen stundenlohn von ca. € 3.--, obwohl viele gemeinschaftsmitglieder in steyerberg als therapeuten und workshopleiterinnen € 50.- oder € 100.- in der stunde verdienen.

 

auch im ökodorf sieben linden versuchen sie seit zehn jahren immer wieder die gemeinsame ökonomie einzuführen – ohne erfolg. die fraktion der gutverdienenden und vermögenden ist bereits so stark, dass das bisher erfolgreich verhindert werden konnte.


das liebe geld

 

wenn wir genügend zeit und raum für unser entwicklung haben wollen, brauchen wir auch einen minimal standard an einkommen. auch darüber sollten wir unter uns klar sein, bevor wir zusammen leben.


eine möglichkeit mehr zu verdienen ist der terapeutisch/heilerische bereich. man kann damit ein höheres einkommen generieren und gleichzeitig eine sinnvolle, heilende arbeit leisten. aber auch hier ist die konzurrenz gross. gerade in diesem psychisch/seelisch sehr sensiblen bereich, finde ich abzoggerei verheerend. mit den heilerischen fähigkeiten die uns von gott/göttin geschenkt wurden sollten wir den anderen menschen dienen und uns damit nicht eine goldene nase verdienen. ich persönlich finde, dass man die preise einkommensabhängig gestalten sollte. ich habe mich die letzten zehn jahre intensiv mit geldtheorie und geldsystemen auseinandergesetzt und die talent-reginonalgruppe in zürich aufgebaut.

 

 

die höchste form des wirtschaftens wäre das schenkprinzip. schenken statt verkaufen und tauschen - unsere zeit, unsere produkte und dienstleistungen, unsere liebe, unsere wärme, unsere menschlichkeit, uns selber. auch hier braucht es seine zeit, herauszufinden was für uns die richtige form ist.


zu wenig einkommen in unserer gegenwärtigen konstellation?

 

das thema geld wird uns wohl einige zeit beschäftigen. sind wir in der jetztigen konstellation überlebensfähig? gibt es genug einkommen? müssen wir uns etwas einfallen lassen?


ökologie

 

wir kaufen nur bio-lebensmittel. wenn immer möglich kaufen wir sozial verträglich hergestellte produkte. wir bevorzugen wenn möglich regionale wirtschaftskreisläufe. wir ernähren uns in erster linie vegetarisch, ohne unsere persönliche ernährungslehre zum dogma zu erheben.

 

ich möchte mich nicht über die verschiedenen ernährungsweisen streiten müssen.

 

tagebuch sieben linden juli 2004

 

liebe gemeinschafts-interessierte

im juni habe ich euch einen newsletter mit meiner reise in die zukunft gemailt.

bei der zweiten gemeinschaft die wir besuchten, dem ökodorf sieben linden

verbrachte ich den grössten teil des sommers. poppau liegt ca. 100km westlich von

berlin, zwischen öbisfelde und salzwedel (bei wolfsburg, braunschweig) in der

ehemaligen ddr.

 

/sieben linden /

wie die meisten meldete ich mich erst einmal für einen wochenend-workshop an:

das ökodorf sieben linden kennenlernen. von anfang an war ich sehr positiv

überrascht von der offenen und undogmatischen atmosphäre die hier herrscht. die

leute sind sehr offen und kontaktfreudig. obwohl (oder vielleicht gerade weil..)

es hier sehr kompetente leute mit langjähriger gemeinschaftserfahrung gibt,

umgeben sie sich nicht mit diesem elitären dünkel, der vielen

führungspersöhnlichkeiten, gurus und sog. erwachten anhaftet. hier sind auch die

„gurus“ locker und bescheiden. zu diesem thema gibt es eine anekdote:

 

einmal machte jemand eine umfrage unter den bewohnern von sieben linden, ob sie sich eher als führungspersönlichkeit oder eher als mitläufer einstufen. die

auswertung ergab, dass sich 95% als führungspersönlichkeiten einstufen.

 

das finde ich interessant: ich möchte nicht in eine gemeinschaft mit einem guru wie bei den oshos oder in tamera. ich gehe davon aus, dass jedeR den „guru“ in sich selber finden muss. ob wir das jetzt unseren göttlichten kern, das höhere

selbst, unser christusbewusstsein oder unsere buddha-persönlichkeit nennen ist

sekundär. aber es ist eine grosse herausforderung und auch eine einmalige chance wenn so viele alphatiere aufeinandertreffen und lernen müssen/dürfen zu

kooperieren, statt sich zu konkurrenzieren und zu bekämpfen. sieben linden ist

ein grosses menschliches biotop, eine spannende zukunfts-werkstatt, ein

keratives menschschliche „versuchslabor“.

 

/club 99/

da wir einen tag früher ankamen, hatten wir die möglichkeit, an einer „geistigen

stunde“ des parallel stattfindenden dreiwöchigen gemeinschaftskurses

teilzunehmen. dabei stand gerade eine presäntation des club 99 auf dem programm.

das ganze fand im weidendom statt, einem kuppelbau aus lebendigen weiden, die zu

einem dom geflochten wurden. erst gab es eine kurze vorstellungsrunde, dann

konnte man fragen stellen. silke und kosha, die beiden vertreterinnen des clubs

überzeugten durch ihr authentisches auftreten. insbesondere silkes antwort auf

die frage nach ihren schattenseiten beeindruckten mich. mir war sofort klar,

dass hier ein mensch sprach, der schon viel an sich gearbeitet hatte, eine frau,

die in ihrer persöhnlichen entwicklung schon weit sein musste, denn sonst hätte

sie kaum so reagieren können und die antwort wäre anders ausgefallen.

 

nach ihrem schlusswort machte sie glücklicherweise die anmerkung, dass viele den

club 99 von einem nymbus der unnahbaren umgenben warnehmen. dem sei aber nicht

so. sie freue sich, angesprochen zu werden, mit gästen in kontakt zu kommen und

sie könne sich auch vorstellen, einmal jemanden zum essen in den club

einzuladen. das war einer dieser unzufälligen zufälle. am ende der veranstaltung

sagte ich ihr, dass ich interesse hätte und sie lud uns zum mittagessen in den

club ein. so kam es, dass ich den sagen umwobenen club 99 von innen kennen

lernen konnte.

 

der club 99 ist die intensivste nachbarschaft/gruppe im ökodorf. er hat im moment acht

mitglieder, drei sind in der probezeit. sie leben vegan und konsumieren nur

produkte aus ihrem eigenanbau oder aus der region (zumindest solche, die auch in

unseren breitengraden angebaut werden können).

 

sie leben ohne strom und haben sich ein strohlehm haus gebaut, bei dem nur

natürliche materialien aus der umgebung und resyclingprodukte (fenster, türen,

ziegel) verwendet wurden . da sie keine maschienen verwenden wollen, wurde alles

von hand gemacht.

 

  • dadurch war es möglich für € 7000.- ein haus zu bauen!

 

sie werden also keine schlaflosen nächte haben, weil sie nicht wissen, wie sie

die zinsen bezahlen sollen. ihr ziel ist, so nachhaltig zu leben, dass derselbe

lebensstil für alle menschen auf dieser erde möglich ist. das bedeutet für uns

in den reichen industriestaaten um faktor zehn reduzieren.

 

/warum projekte scheitern/

die ursachen unseres unverhältinsmässigen konsums liegen bekanntlich tiefer. in

unserem sozialen umfeld (vereinzelung), in unseren beziehungen (symbiotische

zweckgemeinschaften), in unserem innern (traumatas, verlust der beziehung zu

unserem göttlichen kern). die meisten gemeinschaften, projekte oder gruppen

scheitern weniger am geld oder an zu wenig organisatorischem geschick, sondern

meistens an unserer beziehungsunfähigkeit. nachdem wir jetzt 5-7000 jahre

patriarchat (und vorher einen wahrscheinlich noch viel längerer zeitraum

matriarchat) hinter uns haben, sind wir die ersten zwei, drei generationen, bei

denen es zwischen den geschlechtern überhaupt eine direkte kommunikation gibt.

insofern sind wir auf der beziehungsebene noch in den

kinderschuhen.

 

/ganzheitlichkeit/

bei den gemeinschaften die es schon gibt, haben die einen den focus mehr auf der

ökologie und selbstversorgung, die andern auf der gemeinsamen ökonomie

(niederkaufungen) und die dritten auf der „freien liebe“ (zegg). aber es gibt

wenig gruppen, die alle diese bereiche gebührend berücksichtigen und in ihren

gruppenprozess einbeziehen. der club 99 ist eine gemeinschaft, die alle diese

bereiche einbezieht ohne dogmatisch oder elitär zu sein.

 

/die entcounter-gruppen des lebens/

wenn wir in unserer menschlichen entwicklung weiter kommen wollen, dann können

wir diesen bereich nicht einfach ausser acht lassen und zur privatangelegenheit

erklären. die liebesbeziehungen sind so etwas wie die entcounter-gruppe, der ICE

des lebens. liebesbeziehungen gehen am meisten unter die haut, an's eingemachte

so zu sagen. deshalb glaube ich, dass die arbeit an unseren beziehungen der

zetrale angelpunkt für unsere spirituelle entwicklung ist. wenn ich auf mein

leben zurück blicke, muss ich sagen, dass ich durch meine liebensbeziehungen am

meisten gelernt habe. es ging am tiefsten, es waren die intensivsten

lebensphasen, die höchsten freuden und der tiefste schmerz.

 

/forum/

verschiedene gruppen im sieben linden arbeiten mit dem forum, aber auch mit

andernen werkzeugen, wie familienstellen, yoga oder qui gong. obwohl hier einige

vorher im zegg lebten und sie viel know how von dort mitbringen, gehen sie ihren

eigenen weg. bei den zegg-leuten hatte ich immer das gefühl, dass sie sich als

etwas besseres sehen, dass sie von sich selber das gefühl haben, das zu wissen

was der rest der menschheit noch nicht begriffen hat. auf diese leicht

süffisante überheblichkeit gepaart mit einem gewissen sendungsbewusstsein, die

ich auch aus der politischen szene nur allzu gut kenne, reagiere ich inzwischen

sehr sensibel.

links: www.oekodorf7linden.de

 

markus rüegg
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