zuschrift einer leserin:

Solidarität mit Griechenland
Nicht nur Griechenland schuldet uns etwas, sondern auch umgekehrt: Der deutsche Staat schuldet dem griechischen Staat Reparationsleistungen aus der NS-Zeit. Diese Schuld wurde bisher weder endgültig berechnet noch von Deutschland anerkannt. Unser Land hat sich bisher um die finanzielle Aufarbeitung der NS-Schuld an Griechenland gedrückt. Es bringt schließlich mehr Macht, auf die Schulden der anderen zu zeigen und die „Gegenseite“ damit klein zu halten, als zu seinen eigenen Fehlern zu stehen. Fest steht aber schon: Griechenland wurde damals u.a. gezwungen, Deutschland 476 Mio. Reichsmark zu „leihen“, was nie zurückbezahlt wurde. Das sind umgerechnet 11 Mrd. €. Mit Zinsen sind das heute ca. 70 MRD. € (siehe STERN 09/2015, S. 55) Die erscheint hoch, aber das Geld hat ja dem Land in all den Jahren gefehlt und konnte nicht nutzbringend investiert werden. Ob der Staat dies tatsächlich zum Nutzen des Volkes ausgegeben hätte, steht auf einem anderen Blatt; dies erscheint mir bei der jetzigen Regierung erstmals der Fall. Die neue Regierung ist erstmals willens, zugunsten der Bevölkerung zu handeln statt dem Großkapital beim Plündern der Volkswirtschaft zu helfen. Sie sollte daher von der EU unterstützt und nicht blockiert werden. Genau das Gegenteil ist leider der Fall. Dabei kann die griechische Bevölkerung nichts für das Versagen ihrer früheren Regierungen. Die frühere Regierung hat die Schulden gemacht und den Oligarchen zum Fraß vorgesetzt, aber die Bevölkerung muss dafür büßen. Angenommen, unsere Bevölkerung (ca. 80 Mio) muss ebenfalls für die Schulden unseres Staates aufkommen. Staatsschulden werden ja gern als pro-Kopf-Verschuldung ausgerechnet. Die o.g. 70 000 000 000 € : 80 000 000 Personen ergäben einen Anteil von 875 € pro Kopf. Unsere Medien schüren in unserer Bevölkerung noch die bornierte Einstellung „die Griechen sollen erst mal ihre Schulden bezahlen“. Dies erinnert an die „Besserwessi“-Sprüche nach der Wende „Die Ossis sollen erst mal das Arbeiten lernen“. Für diese Haltung meiner Landsleute bzw. „Mit-Wessis“ habe ich mich geschämt. Dabei wäre Solidarität angebracht. Wir sind wirtschaftlich besser gestellt, doch gearbeitet wird auch anderswo, und oft sogar härter. Es ist mir ein Bedürfnis, ein Zeichen der Solidarität zu setzen. So kam mir die Idee, als symbolische Geste, meinen NS-Staatsschuld-Anteil, 875 € der griechischen Bevölkerung zukommen zu lassen. Konkret: im Rahmen meines Urlaubes im März 2015 unter die Leute zu bringen, an wohltätige Initiativen und Privatpersonen. Ich mache dies öffentlich, um andere anzuregen, ihre Sicht zu erweitern, und unseren Staat zu veranlassen, seine Schuld Griechenland gegenüber anzuerkennen. Ich würde mich freuen, wenn sich andere sich auf ihre Weise dieser Aktion (Solidarität mit Griechenland) anschließen würden. Zuschriften bitte an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder, noch besser an meinen Ehemann und „Medienberater“ Ludwig Zaccaro Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! (wird schneller bearbeitet).
Ludwig Zaccaro 
Marian-Wieser-Weg 21
84494 Neumarkt St.Veit
 
Morgen haben wir in Nafplio eine Pressekonferenz mit Uebergabe des Betrages an eine oertliche Wohlfahrtsorganisation. Den Text hat ein Beauftragter des Rathauses uebersetzt an die griechische Presse gegeben. Ich freue mich, dass die Aktion Gestalt annimmt und bin schon gespannt!
Danke fuer deine Rueckmeldung. Ich halte dich auf dem Laufenden
Liebe Gruesse Nina
 

 

eine sehr ernüchternde analyse
leider ist die radikale linke (meist marxisten) überall - auch bei uns im aufgeklärten mitteleuropa - so sehr in ihrem dogmatismus und ihrem sektierertum gefangen, dass sie sich nicht einigen können. die gemässigten "linken" sind immer noch EURO- und EU-anhänger, wie bei uns sozialdemokraten und gewerkschaftsbund. kooperation von allen EU-gegner über die parteigrenzen hinweg ist mit solchen sektierern ein ding der unmöglichkeit. ich denke, es braucht ein bündnis der undogmatischen und unabhängigen - aber anscheinend dauert das noch. schade, eine verpasste chance..   ob sich die deutschen besser organisieren, wenn die USA/EU/IWF auf sie losgehen??? es bleibt die hoffnung, dass im herbst das ganze finanzsystem abstürzt..

Griechenland: Der Kampf geht weiter

Stathis Kouvelakis, Mitglied im Parteivorstand von Syriza und führendes Mitglied der Linken Plattform, beschreibt im Interview, welche Lehren er aus den letzten...

http://marx21.de/griechenland-der-kampf-geht-weiter/

Guten Morgen, das im Folgenden zur Verfügung gestellte Interview mit Stathis Kouvelakis, Mitglied im Parteivorstand der Syriza und der Linken Plattform innerhalb von Syriza ist ein einzigartiges Zeitdokument. Es gibt u.a. Einblicke in die unterschiedlichen Strömungen innerhalb von Syriza und der Regierung, die "Verhandlungen" mit der Troika, die Haltungen innerhalb der Regierung zum Verhandlungsprozess, zum Referendum und einem Plan B, die Illusionen der Linken bzgl. des EU-/Euro-Projektes und seiner Agenten, die Stimmung innerhalb der griechischen Gesellschaft, insbesondere unter Arbeitern und der Jugend. Unten einkopiert sind einige Zitate. Im Anhang ist das gesamte Interview sowie eine gekürzte Version verfügbar. In der gekürzten Version sind v. a. Teile ausgenommen, die die Strömungen und Diskussionen innerhalb der griechischen Linken i. W. S. betreffen.

via Nachdenkseiten http://marx21.de/griechenland-der-kampf-geht-weiter/

*Griechenland: Der Kampf geht weiter* / 21. Juli 2015

*Stathis Kouvelakis, Mitglied im Parteivorstand von Syriza und führendes Mitglied der Linken Plattform, beschreibt im Interview, was für Lehren er aus den letzten Wochen gezogen hat und wie seine Perspektive für Syriza und die europäische Linke aussieht.* ... Tsipras, von dem man sagen muss, dass er als Politiker durchaus ein Spieler ist, verstand das Referendum – eine Idee die übrigens nicht gänzlich neu war und bereits von anderen Personen in der Regierung ins Spiel gebracht worden war, unter anderem von Yanis Varoufakis – nicht als Bruch mit dem Verhandlungsprozess, sondern als Schachzug, um seine Verhandlungstaktik zu stärken. Ich kann das mit Sicherheit sagen, da ich Zugang zu detaillierten Berichten über die entscheidende Kabinettssitzung am Abend des 26. Juni hatte, an dem das Referendum angekündigt wurde. Zwei Dinge müssen an dieser Stelle betont werden: Erstens ist es so, dass Tsipras und die meisten ihm nahestehenden Personen davon ausgegangen sind, es würde ein Spaziergang werden. Und das traf vor der Bankenschließung auch absolut zu. Die allgemeine Stimmung deutete darauf hin, dass es einen überwältigenden Sieg von mindestens 70 Prozent geben würde. Das war ziemlich realistisch. Wären die Banken nicht geschlossen worden, wäre das Referendum mit Leichtigkeit gewonnen worden. Aber die politische Bedeutsamkeit wäre eine andere gewesen, denn es wäre ein „Nein“ gewesen ohne die aufgeladene und dramatische Atmosphäre, die durch die Schließung der Banken und die Reaktion der Europäer kreiert wurde. Was in dieser Kabinettssitzung geschah, war, dass eine gewisse Anzahl an Leuten – der rechte Flügel der Regierung, unter der Führung des stellvertretenden Premiers Giannis Dragasakis – den Vorschlag ablehnten. Tatsächlich ist Dragasakis derjenige, der den gesamten Verhandlungsprozess auf griechischer Seite überwacht. Alle Mitglieder der Verhandlungsgruppe – mit Ausnahme des neuen Finanzministers Euclid Tsakalotos – sind auf seiner Seite, und er war der prominenteste unter denjenigen im Kabinett, die Varoufakis loswerden wollten. Für diese Gruppe war das Referendum ein hochriskanter Vorschlag und verstanden es gänzlich anders als Tsipras: Als äußerst konfrontativen Schachzug, der harsche Reaktionen der europäischen Seite hervorrufen würde – damit sollten sie recht behalten. Zudem hatten sie Angst vor der Dynamik von unten, die durch diese Initiative entstehen würde. Auf der anderen Seite vertrat Panagiotos Lafazanis, Führungsfigur der Linken Plattform und Energieminister, die Position, dass das Referendum die richtige Entscheidung sei, wenngleich sie zu spät käme. Er warnte allerdings auch davor, dass es einer Kriegserklärung nahe käme, dass Zahlungen eingestellt würden und wir innerhalb weniger Tage damit rechnen müssten, dass die Banken geschlossen würden. Die meisten Anwesenden lachten einfach über diese Vorstellung. Ich denke dieser Mangel an Gespür dafür, was passieren würde, ist absolut entscheidend für ein Verständnis der gesamten Logik, mit der die Regierung bisher gehandelt hat. Sie konnten einfach nicht glauben, dass die Europäer so reagieren würden, wie sie reagiert haben... Ich meine wir müssen zwischen zwei Gruppen innerhalb der Regierung unterscheiden. Zunächst gibt es den rechten Flügel der Regierung, angeführt von den zwei Chefökonomen Dragasakis und Giorgos Stathakis. Und dann gibt es den Führungskern, Tsipras und die Leute um ihn herum. Die erste Gruppe hatte von Anfang an eine klare Linie – auf ihrer Seite gab es absolut keine Naivität. Ihnen war völlig klar, dass die Europäer niemals einen Bruch mit dem Memorandum hinnehmen würden. Darum hat Dragasakis von Anfang an alles getan, um die Logik der allgemeinen Vorgehensweise nicht zu ändern. Er hat offensichtlich alle Versuche sabotiert, Syriza ein ordentliches Wirtschaftsprogramm zu geben, selbst wenn dieses sich innerhalb der mehrheitlich von der Partei angenommenen Rahmenbedingungen bewegt hätte. Er glaubte, eine verbesserte Version der Rahmenbedingungen des Memorandums sei das Einzige, was man erreichen könne. Er wollte sich ganz darauf konzentrieren, den Deal mit den Europäern auszuhandeln, ohne selbst allzu sehr in Erscheinung zu treten. Es gelang ihm, die Verhandlungsgruppe zu steuern, besonders nachdem man Varoufakis ins Abseits gedrängt hatte. Im Sommer 2013 hatte er ein sehr interessantes Interview gegeben, das damals für viel Aufsehen sorgte. Was er vorschlug, war nicht einmal eine mildere Variante des Syriza-Programms, sondern tatsächlich ein ganz anderes Programm, welches sich nur durch minimale Verbesserungen vom existierenden Übereinkommen abhob, welches die Nea Dimokratia unterzeichnet hatte. ... Und dann gibt es den anderen Ansatz, den von Tsipras, welcher in der Ideologie eines linken Europagedankens wurzelt. ... Daran zeigt sich, dass diese Leute eine Konfrontation mit der EU erwartet hatten, die ähnlich einer wissenschaftlichen Konferenz ablaufen würde, bei der man eine ordentliche Präsentation liefert und erwartet, eine ordentliche Gegenpräsentation zu hören.Ich denke das ist symptomatisch dafür, wie es in der heutigen Linken aussieht. Die Linke ist voll von Menschen, die es gut meinen, aber im Bereich der Realpolitik völlig überfordert sind. Aber es zeigt ebenso die geistige Verwüstung auf, die der fast schon religiöse Glaube an den europäischen Geist verursacht hat. Diese Leute haben also tatsächlich bis zum bitteren Ende daran geglaubt, dass sie etwas aus der Troika

herausholen könnten. Sie dachten, dass zwischen „Partnern“ doch ein Kompromiss möglich sein müsste, und dass man ja gemeinsame Grundwerte hätte, wie etwa den Respekt vor demokratischen Mandaten oder die Chance einer vernünftigen Diskussion auf Basis ökonomischer Argumente.

...

Viele Grüße

Elke Schenk

globalcrisis/globalchange NEWS


Tsipras spricht im Parlament
öffentlich vom Verbrechersystem EU Rettungen

 

Die eingesetzte parlamentarische Prüfungs-Kommission in Griechenland hat soeben sämtliche Kredite Griechenlands fürillegalerklärt. Eine parlamentarische Kommission, die im Auftrag der jetzigen Links-Regierung die Verträge der Vorgägerregierungen prüfen sollte, hat befunden: Wir können gar nicht Pleite gehen - weil wir die Rettungs-Kredite gar nicht schulden. Sie sind alle illegal.

Eine interessante Analyse zu dieser Situation:
http://www.emanzipation.org/articles/em_4-2/e_4-2_toussaint.pdf

Tsipras und sein Finanzministerer hatten daraus schon einige Einzelheiten vorher erfahren, deswegen wurde auch auf Zeit gespielt. Soweit bekannt, soll dabei auch die U-Boot-Affaire (Waffenlieferverträge an Griechenland) beleuchtet werden, – wobei Schäuble wohl involviert war. Wenn die Griechen nun auf die Streichung gewisser Schulden nach internationalem Recht bestehen, wird es interessant. Weil in der Begründung für dieses Vorgehen logischerweise auch die Schweinereien zur Sprache kommen, die das Land überhaupt in die jetzige totale Überschuldung gebracht haben. Und da dürften auch die Deutschen, die durch die Rettungen den gößten Zinsgewinn realisieren, einen gehörigen Anteil dran haben.

zuvor schon die meldung:

Der erste EU-Rettungsplan für Griechenland war „illegal“ und „unbegründet“. Das sagt der belgische Wirtschaftswissenschaftler Eric Toussaint. Die Staatsverschuldung sei künstlich aufgebläht worden.

Die Regierung Giorgos Papandreou habe 2010 Druck auf das griechische Statistikamt ausgeübt, um die finanzielle Situation des Staates zu dramatisieren. Das sagt der belgische Wirtschaftswissenschaftler Eric Toussaint in einem Interview mit „Le Soir“ am Mittwoch.Toussaint ist Mitglied des Audit-Ausschusses des griechischen Parlaments, der die staatliche Verschuldung prüfen sollte. Der Abschlussbericht wird diese Woche veröffentlicht.
 
Das erste Hilfspaket für Griechenland
Der erste Rettungsplan für Griechenland beinhaltete Kredite der anderen Euroländer und des IWF von insgesamt 110 Milliarden Euro. Die Euro-Länder steuerten 80 Milliarden Euro bei, der IWF 30 Milliarden Euro. Laut Toussaint bestand beim Internationalen Währungsfonds (IWF), bei der Europäischen Zentralbank (EZB), der EU-Kommmission und einigen Regierungen, insbesondere der deutschen und der französischen, die klare Absicht, die „Wirklichkeit zu verzerren und die Situation als Ergebnis einer ernsten Krise der Staatsfinanzen darzustellen.“ Dabei sei vor allem die private Verschuldung problematisch gewesen, so Toussaint.

Petition “Sprengt die Schuldenketten Griechenlands”

Veröffentlicht am 22. Juni 2015 von
Campaigners from Jubilee Debt Campaign UK dressed as bankers hold Greece in chains outside the European Commission in London to demand debt cancellation for Greece not bailouts for banks, 20 February 2012. © Jubilee Debt Campaign, tel +44 (0)20 7324 4722, <a href=
 
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!   © Jubilee Debt Campaign

Wir, Bürgerinnen und Bürger der Länder Europas, fordern

–  eine europäische Konferenz, auf der ein Schuldenerlass für Griechenland und andere Länder, die einen benötigen, vereinbart wird. Die Konferenz soll, unterstützt durch Schuldenaudits, zu Schuldenerlässen führen. Deren Kosten sollen diejenigen Banken und Spekulanten tragen, die von den sogenannten Rettungspaketen in Wahrheit profitiert haben.

–  ein Ende der erzwungenen Kürzungsmaßnahmen, die Ungleichheit und Armut in Europa und der ganzen Welt verursachen.

–  die Erarbeitung von Regeln durch die Vereinten Nationen, damit Staatsschuldenkrisen in der Zukunft schnell, fair und unter Einhaltung der Menschenrechte gelöst werden können. Dadurch wird Banken und Spekulanten signalisiert, dass wir in Zukunft nicht mehr für das Risiko ihrer unverantwortlichen Investitionen haften werden.

Infos und Möglichkeit, die Petition zu unterzeichnen: HIER