Europaweite Umfrage: Migration an erster Stelle der Bedrohungen

https://dieunbestechlichen.com/2020/08/europaweite-umfrage-migration-an-erster-stelle-der-bedrohungen/
14. August 2020

YouGov ist anscheinend so eine Art Wildcart unter den Meinungserhebungsinstituten. Dieses Demoskopie-Institut agiert weltweit und scheint sich wenig um political correctness zu scheren, Kein europäisches Institut würde solche Ergebnisse veröffentlichen. Das zeigt sich einmal wieder bei der neuesten Umfrage:  21.799 Menschen aus 13 EU-Staaten (inklusive Großbritannien) wurden  befragt. 21 Prozent davon wählten bei der Frage, was in ihren Augen die größte Bedrohung für ihre Sicherheit und ihr Land sei, die Migration – genauer gesagt die Einwanderung (von Flüchtlingen, Asylbewerbern und Migranten).

Dabei spielt auch die spezifische Situation in den einzelnen Ländern eine sehr große Rolle. Wenig überraschend steht Griechenland, das unter den Schikanen des türkischen Regierungschefs Recep Tayyip Erdogan an vorderster Front zu leiden hat, mit 64 Prozent an der Spitze. In Deutschland sind es 24 Prozent, die die Einwanderung als größte Sicherheitsbedrohung empfinden. Auch das ist wenig verwunderlich. Zwar ist der Andrang nicht so dramatisch sichtbar und zu spüren wie in Griechenland, aber da Deutschland das Wunschland der meisten Migranten ist, ist die Zuwanderung auch entsprechend hoch. Und das, obwohl Medien und Politik sich wirklich alle Mühe geben, das Thema kleinzureden und zu verschweigen. Mehr noch: Jeden, der Skepsis und Besorgnis wegen der hohen, kulturfremden Zuwanderung äußert, als Nazi oder Rassist beschimpft.

Den Grünen und Greta-Jüngern dürfte es sicher nicht gefallen, dass der Klimawandel ausgerechnet bei den so umweltbewussten Deutschen nur von 16% als größte Sicherheitsbedrohung wahrgenommen wird. Interessanterweise liegen hier die Polen vorne. Da die Regierungen Osteuropas, der Visegradstaaten sich bisher in Fragen Migration erfolgreich und stur gewehrt hat, der Erpressung Brüssels nachzugeben und Quoten von Migranten aufzunehmen, empfindet man dorten logischerweise die Einwanderung auch als wesentlich weniger bedrohlich. Die Polen sind also empfänglicher für theoretische Bedrohungen wie den Klimawandel.

Die 16% Klimaverängstigten dürften sich wahrscheinlich in der Gruppe der unter Dreißigjährigen finden. Insofern fällt der Bevölkerungsschwund in Deutschland den Betreibern der Klimawandel-Politik logischerweise auf die Füße: Zu wenig junge Deutsche, die um das Klima barmen – und die Eingewanderten interessiert das Klima nicht.

Terror verängstigt im Durchschnitt 13 Prozent der Europäer. Hier bilden die Franzosen mit 23 Prozent die Spitze, was zu einem  nicht geringen Teil dem Massaker im Bataclan zuzuschreiben sein dürfte. Auch die Briten, die zwar schon an regelmäßige Terroranschläge gewohnt sein sollten, sie dennoch offenbar immer noch nicht mögen, kürten „Terror“ mit 21 Prozent der Stimmen zu größten Sicherheitsbedrohung ihres Landes.

Interessant: „Der Russe“ hat als Schreckgespenst ziemlich nachgelassen. Mit neun Prozent Angstpotenzial für die Europäer fällt er hinter Einwanderung (21%), Klimawandel (17%), Terrorismus (13%) und Chinas Macht und Einfluss (10%) blamabel auf Platz fünf. Die USA sollten doch eigentlich unter dem gar erschröcklichen Präsident Trump auf den ersten drei Plätzen liegen, schaffen es aber nur auf den sechsten Platz mit 7%, ein schwacher Trost für den downgegradeten „Russen“. Dahinter kommen nämlich nur noch der abgehalfterte Klassiker „Kernwaffen“ mit 6% sowie der Joker „Etwas anderes“ mit 4% und dann die unvermeidliche Gruppe der frischgeborenen, hilflosen Bambis, die mit großen, braunen Kulleraugen „weiß nicht“ sagen.

Da fragt eine notorische Nörglerin wie ich doch angesichts des Zeitraums der Umfrage (April 2020) Wo bitte bleibt da die tödliche Corona-Pandemie? Dümpelnd hinter „Weiß nicht“? Und das nach dem Lockdown? Immerhin lässt sich daraus ableiten, dass YouGov nicht von Bill Gates finanziert zu sein scheint.

Entsprechend den Einschätzungen der Gefahren, die man „vom Russen“ und militärisch „vom Chinesen“ befürchtet, sind im Schnitt auch nur noch 20% der Europäer der Meinung, die NATO sei wichtig für die Verteidigung, obwohl die Deutschen und die Schweden am allerwenigsten Vertrauen in die Verteidigungspolitik ihres Landes haben. Nun, das muss nicht unbedingt ein Widerspruch sein. Man kann durchaus der Meinung sein, dass weder „der Russe“ noch „der Chinese“ ein Interesse an einer militärischen Auseinandersetzung mit Europa hat, was zur Zeit sicher realistischer ist, als diverse Doktrinen der NATO. Dass man sich aber auch gleichzeitig keine Illusionen über die Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr macht oder der schwedischen Armee (Försvarsmakten), die hauptsächlich eine Verwaltungsbehörde ist. Schweden verfügt immerhin über Dreiunddreißigtausend Soldaten. Die Bundeswehr, ein nachgeordneter Geschäftsbereich des deutschen Bundesministeriums der Verteidigung (das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen), verfügt über einhundertdreiundachzigtausend Soldaten.

„Der Russe“ verfügt über rund eine Million Soldaten.

China verfügt über mehr als zwei Millionen Soldaten.

Die NATO verfügt auf dem Papier über 3,8 Millionen Soldaten.

Aber die USA sind weit weg und rechnet man die Türkei mit 1,4 Millionen Soldaten heraus, die wahrscheinlich im Falle eines Falles nicht mitmachen würden gegen Russland, sieht das nicht gut aus für die NATO. Sollten China und Russland wirklich über Europa herfallen wollen, wäre das kein größeres Problem für sie. Insofern ist die Einschätzung der 20% NATO-Skeptiker relativ nüchtern.

Es lohnt sich, mal auf der YouGov-Umfragenseite zu stöbern. Die Umfrageergebnisse sind anscheinend das Glaubwürdigste, was es auf dem Demoskopie-Markt so gibt. Es sind wohl echte Zahlen. In der DDR gab es den Begriff der „politischen Zahl“ – also so etwas wie die „umstrittene“  Teilnehmerzahl der Demonstration am 01. August in Berlin. Denn mehr als „eine Millionen Teilnehmer“ wäre eine politische Aussage gewesen, die nicht stattfinden durfte. Und die meisten Umfragen sind politisch eingefärbte Zahlen.